Bild
Erika von Schneidemesser
TUD | Andrea Surma
Prof.in Erika von Schneidemesser während ihrer Präsentation zum Thema "Inter- and transdisciplinary assessment of urban mobility policies" im Rahmen des SFB/TRR 408 AgiMo-Workshops “Planning methods for responsible mobility: Data, models, metrics, scenarios" am 29. Juli 2026
Neuberufung

„Luftqualität betrifft uns alle.“ – Im Gespräch mit Professorin Erika von Schneidemesser

Wie Luftqualität, Mobilität und Gesundheit zusammenhängen – und warum Professorin Erika von Schneidemesser auf inter- und transdisziplinäre Forschung setzt.

Seit Juni 2026 ist Erika von Schneidemesser neue Professorin für Luftqualität und Verkehr an der Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“. Als gemeinsame Berufung mit dem Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) bietet die Professur vielfältige Synergien an der Schnittstelle von Luftqualität, Mobilität, Klima und Gesundheit. Im Interview spricht Professorin Schneidemesser darüber, warum Luftqualität weit mehr als ein Umweltthema ist, weshalb Forschung und Politik enger zusammenarbeiten sollten und welche Chancen sie in der neuen Professur an der TU Dresden sieht.

Lisa Dreßler: Frau Professorin von Schneidemesser, was fasziniert Sie an Ihrem Forschungsgebiet Luftqualität und Verkehr – und worauf freuen Sie sich in Ihrer neuen Rolle als Professorin an der Fakultät Verkehrswissenschaften besonders?

Prof. Erika von Schneidemesser: Für mich war es in der Forschung immer wichtig, an einem Thema zu arbeiten, bei dem man die Auswirkungen direkt sehen kann. Luftqualität betrifft uns jeden Tag – schließlich atmen wir rund um die Uhr. Wenn wir besser verstehen, wo Luftverschmutzung entsteht und wie wir sie reduzieren können, hat das unmittelbare Auswirkungen auf unsere Gesundheit und die Umwelt. Genau dieser Bezug zwischen Forschung und gesellschaftlichem Nutzen begeistert mich.

An der Fakultät freue ich mich besonders auf die Zusammenarbeit mit den vielen Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen der Mobilitäts- und Verkehrsforschung. Mobilität ist ein zentraler Einflussfaktor für die Luftqualität in Städten. Deshalb sehe ich großes Potenzial darin, mein Fachwissen mit der breiten Expertise der Fakultät zu verbinden und gemeinsam neue Forschungsfragen anzugehen.

LD: Ihre Forschung verbindet Luftqualität mit Mobilität, Gesundheit und Klimaschutz. Warum ist es wichtig, diese Themen gemeinsam zu betrachten?

Prof. Erika von Schneidemesser: Viele politische Maßnahmen wirken sich gleichzeitig auf mehrere Bereiche aus. Oft gehen sie mit Synergieeffekten oder Zielkonflikten einher. Ein Beispiel ist das Heizen mit Holz: Es gilt häufig als klimafreundlich, kann aber – abhängig von der eingesetzten Technologie – erhebliche Luftschadstoffe verursachen. Deshalb müssen wir Maßnahmen immer ganzheitlich bewerten.

Dass integrierte Ansätze funktionieren, zeigen auch unsere Forschungsprojekte. Bei einer Straßenumgestaltung mit einem geschützten Radweg konnten wir nachweisen, dass die NO₂-Belastung für Radfahrende um rund 20 Prozent gesunken ist. Solche Beispiele zeigen, dass gute Infrastruktur gleichzeitig Mobilität nachhaltiger, gesünder und sicherer machen kann.

LD: Ihre Forschung bewegt sich nah an politischen Entscheidungsprozessen. Welche Rolle kann Wissenschaft dabei spielen, nachhaltige Verkehrssysteme zu gestalten?

Prof. Erika von Schneidemesser: Ich bin überzeugt, dass Forschung dann besonders wirksam ist, wenn sie gemeinsam mit den relevanten Akteurinnen und Akteuren entsteht. Deshalb arbeite ich transdisziplinär – also gemeinsam mit Kommunen, Behörden und weiteren gesellschaftlichen Partnern.

Wenn diese Akteure bereits zu Beginn eines Projekts eingebunden sind, können beide Seiten voneinander lernen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wissenschaftliche Erkenntnisse später tatsächlich in Planungs- und Entscheidungsprozesse einfließen. Forschung kann so einen wichtigen Beitrag leisten, gesellschaftliche Herausforderungen besser zu lösen.

LD: Welche Möglichkeiten bietet Ihnen die gemeinsame Professur auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit der beiden beteiligten Institutionen?

Prof. Erika von Schneidemesser: Ich fange gerade erst an, die vielfältigen Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu entdecken. Wir haben bereits unsere ersten gemeinsamen Projekte innerhalb der Fakultät auf den Weg gebracht.

Ein Beispiel dafür ist das enorme Potenzial, das ich in den Bereichen Data Science und Maschinelles Lernen sehe. Es stehen bereits umfangreiche Daten zur Luftqualität in Städten zur Verfügung und durch den Einsatz moderner Analysemethoden können wir wertvolle neue Erkenntnisse sowohl für die Forschung als auch für praktische Anwendungen gewinnen. In diesem Zusammenhang haben Professor Pascal Kerschke und ich kürzlich einen gemeinsamen Forschungsantrag eingereicht.

LD: Was möchten Sie Studierenden und Nachwuchsforschenden, die sich mit dem Themengebiet Luftqualität und Verkehr auseinandersetzen, mit auf den Weg geben?

Prof. Erika von Schneidemesser: Die Mobilitäts- und Nachhaltigkeitstransformation gehört zu den großen Zukunftsaufgaben unserer Gesellschaft. Dafür braucht es engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Besonders spannend finde ich, dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen heute immer stärker mit Partnern aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft zusammenarbeiten. Dadurch kann man erleben, wie Forschung konkrete Veränderungen anstößt und in Entscheidungen einfließt. Genau das macht dieses Forschungsfeld für mich so attraktiv.

LD: Vielen Dank für Ihre Zeit und alles Gute.

Prof. Erika von Schneidemesser: Dankeschön.

Content

"Die Mobilitäts- und Nachhaltigkeitstransformation gehört zu den großen Zukunftsaufgaben unserer Gesellschaft. Dafür braucht es engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler."
Professorin Erika von Schneidemesser
Professur für Luftqualität und Verkehr

15

Weitere News