PrioPoint: Wie dynamische Erfassungspunkte den öffentlichen Verkehr an Ampeln effizienter machen können
Wie lässt sich öffentlicher Verkehr an Ampeln gezielt bevorzugen, ohne den übrigen Verkehr unnötig auszubremsen? Dieser Frage widmet sich das Forschungsprojekt PrioPoint. Im Mittelpunkt steht die Untersuchung dynamischer Erfassungspunkte, mit denen Busse und Bahnen künftig bedarfsgerechter eine Priorisierung an Lichtsignalanlagen erhalten könnten.
Die nachhaltige Transformation urbaner Mobilität erfordert eine stärkere Verlagerung des Verkehrsaufkommens auf umweltfreundliche Verkehrsmittel. Neben dem Rad- und Fußverkehr sowie Mikromobilitätsangeboten spielt dabei insbesondere der öffentliche Verkehr eine zentrale Rolle. An Lichtsignalanlagen stehen die verschiedenen Verkehrsteilnehmenden jedoch in Konkurrenz um eine begrenzte Ressource: die verfügbare Grünzeit. Eine gezielte Priorisierung des öffentlichen Verkehrs kann dazu beitragen, dessen Attraktivität und Zuverlässigkeit zu erhöhen.
Der richtige Zeitpunkt für die ÖPNV-Priorisierung
Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Frage, wann ein Fahrzeug des öffentlichen Verkehrs von der Ampelsteuerung erkannt wird. Technisch erfolgt dies über sogenannte Erfassungspunkte. Liegt der Erfassungspunkt beispielsweise zu weit von der Kreuzung entfernt, kann die Prioritätsanforderung zu früh erfolgen. Ist er zu nah an der Ampel positioniert, bleibt unter Umständen zu wenig Zeit, um die Signalsteuerung optimal anzupassen.
Genau hier setzt PrioPoint an. Das Projekt untersucht, ob dynamisch anpassbare Erfassungspunkte eine kostengünstige Alternative zu bestehenden Ansätzen darstellen können. Ziel ist es, den Zeitpunkt der Erfassung abhängig von der jeweiligen Verkehrssituation anzupassen und dadurch Verzögerungen für den öffentlichen Verkehr zu reduzieren, ohne den übrigen Verkehr unnötig zu beeinträchtigen.
Simulation mit realen Verkehrsdaten
Für die Untersuchung werden bestehende Steuerungsprogramme einzelner Lichtsignalanlagen in eine Simulationsumgebung integriert. Auf Grundlage realer Messungen der einströmenden Verkehrsströme soll anschließend analysiert werden, wie sich dynamische Erfassungspunkte auf die Warte- und Verlustzeiten in unterschiedlichen Verkehrssituationen auswirken.
Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob eine dynamische Steuerung technisch umsetzbar ist. Vielmehr soll quantifiziert werden, welche Auswirkungen unterschiedliche Strategien auf das gesamte Verkehrsgeschehen haben und unter welchen Bedingungen eine dynamische Priorisierung besonders sinnvoll ist.
Forschung gemeinsam mit Praxispartnern
PrioPoint wird in Zusammenarbeit mit dem Amt für Mobilität und Tiefbau der Stadt Leipzig und den Leipziger Verkehrsbetrieben durchgeführt. In der ersten Projektphase von Januar bis Dezember 2027 stehen zunächst die rechtlichen, administrativen und technischen Voraussetzungen für die Bereitstellung der benötigten Daten im Mittelpunkt.
Damit verbindet das Projekt wissenschaftliche Methoden mit konkreten Anforderungen aus der kommunalen Verkehrspraxis. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, neue Möglichkeiten für eine effizientere und gezieltere Priorisierung des öffentlichen Verkehrs an Lichtsignalanlagen zu bewerten.
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Dipl.-Ing. Matthias Körner
PrioPoint wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert, Projektnummer 589846560.
